Das Geld der Zukunft ist grün

Fördermittel, private Investoren und europäische Konsortien: Impact Funding Europe bringt die Bestandteile zusammen, die es für ökologisch nachhaltige Innovationen braucht. VON TOBIAS PUSCH

Impact Funding Europe (IFE) ist schwer in eine Schublade zu stecken – und genau darin liegt die Stärke. Firmengründer Olaf-Gerd Gemein beschreibt das Modell so: „IFE verbindet öffentliche Fördermittel mit privatem Kapital und baut dafür passgenaue Konsortien aus Start-ups, Mittelstand, Forschung und kommunalen Einrichtungen.“

Ziel sei nicht der Antrag um des Antrags willen, sondern die Umsetzung: „Wir nennen uns nicht ohne Grund „Impact Funding“ – entscheidend ist, dass Erfindungen überhaupt in den Markt kommen und dort einen Impact, also eine konkrete Auswirkung, haben. Das Team versteht sich als Matchmaker, Business-Architekt und „Grant Writer“ (Experte für Antragsstellung) in einem: Es strukturiert Ideen, sucht Partner in Europa, schreibt die Anträge – und bleibt auch nach dem ersten Versuch dran.

Der Ansatz speist sich aus einer klaren Diagnose. In Deutschland fließt privates Risikokapital oft erst, wenn es ein „fertiges“ Geschäft gibt, deutsche Unternehmer sind relativ risikoavers. Frühphasen-Innovationen brauchen daher oft Starthilfe durch öffentliche Programme. Gemein: „Ohne öffentliche Förderung ist hierzulande vieles gar nicht möglich.“ Gleichzeitig sieht er die Qualität vieler komplizierter und langwieriger Auswahlverfahren kritisch. Der Ausweg lautet Professionalität und Ausdauer: Konsortien präzise bauen, die Wirkung der Innovation deutlich aufzeigen, Anträge iterativ verbessern – notfalls über mehrere Runden und Fördertöpfe hinweg.

Die operative Arbeit beginnt selten mit Paragrafen, sondern mit der Frage nach dem Zielbild: Was ist der „Impact“? Wer ist im Team? Welche Kompetenzen fehlen noch? Welche Partner – Universitäten, kommunale Einrichtungen, Mittelständler – erhöhen die Erfolgsaussichten? Der alleinige Fokus liegt dabei auf Lösungen, die die Umwelt schützen und regnerieren. „Unser Kunde ist der Planet. Nachhaltigkeit ist für uns kein Teilaspekt, sondern die DNA.“ Entsprechend liegen die Schwerpunkte in Energie- und Klimathemen: von Biogas und Batteriematerialien bis zu Power-to-X, Meeresenergie oder Direct-Air-Capture.

90 Hektar Zukunft: Ein Campus für die Energietransformation

Wie diese Arbeit in der Praxis aussieht, zeigt der Industrie- und Gewerbepark am Hasenberge in Steyerberg, zwischen Bremen und Hannover. Auf 90 Hektar entsteht dort ein Zentrum für Energietransformation, in dem Verfahren zur Speicherung und Nutzung von Wasserstoff ebenso erprobt werden wie neue Ansätze in Biochemie, nachhaltige Kraftstoffe oder Batterietechnik. Impact Funding Europe begleitet das Projekt von Beginn an bei der Finanzierung und Konsortienbildung. Für etablierte Unternehmen ebenso wie für Gründer, Forschung und Industrie ist der Park auch ein Schaufenster, wie die Zusammenarbeit über Sektor- und Ländergrenzen hinweg funktionieren kann – und welche Rolle Fördermittel dabei spielen können und müssen.

Dass IFE in Kiel sitzt und dennoch Aktionär der Süderelbe AG wurde, ist kein Widerspruch, sondern Programm. Das Netzwerk bietet Nähe zur Metropolregion Hamburg – und zu Unternehmen, die anwendungsnah denken. „Was uns an der Süderelbe AG überzeugt, ist der Praxisfokus: Hier werden nicht nur Folien gezeigt, hier wird zusammengearbeitet“, sagt Gemein. Für die Region bedeutet die Präsenz von IFE: Zugang zu einem großen europaweiten Pool an Partnern und Programmen – und zu einem Team, das Konsortien zielorientiert zusammenstellt, Anforderungen übersetzt und Projekte strukturiert, bis sie antrags- und marktreif sind.

Wie sieht das konkret aus? Ein typischer Prozess dauert laut Gemein mehrere Monate. IFE prüft die Ideen, definiert Arbeitspakete, klärt Rollen und „baut“ das Konsortium, das oft fünf bis sieben oder mehr Partner umfasst. Parallel entstehen Geschäfts- und Vermarktungspläne, Wirkungslogik, technische Beschreibung und Budget. Anträge umfassen leicht 70 Seiten, bei großen Vorhaben inklusive Anlagen auch schon Mal mehr als 1000 Seiten. Die Evaluierungen seitens der Förderstellen sind dann mehrstufig; Ablehnungen gehören dazu. „Aber unsere Erfolgsquote liegt um ein Mehrfaches über dem Schnitt aller Förderanträge.“

Wenn thematische Passung oder Projektreife fehlen, nimmt IFE-Projekte gar nicht erst an. Doch dort, wo die Chancen erkennbar sind, wird IFE zum Brückenbauer und langfristigen Begleiter. Für die Süderelbe-Region sieht Gemein besonderes Potenzial an den Schnittstellen von Hafen, Industrie, Energiewirtschaft und Logistik.

Großes Ziel bis 2030

Und dann nennt Gemein noch ein Ziel, das nach einer großen Zahl klingt, aber bewusst so gemeint ist: Bis 2030 möchte IFE ein Fördervolumen in Höhe von einer Milliarde Euro in die südliche Metropolregion lenken, denn die nationalen und europäischen Töpfe sind prall gefüllt. Ob Biogas, nachhaltige Kraftstoffe, Wasserstoffinfrastruktur, Reallabore für urbane Mobilität oder industrielle Dekarbonisierung: Entscheidend ist, dass Ideen nicht im Antrag stecken bleiben, sondern in Betrieb gehen. Genau an dieser Stelle treffen sich die Logik von Impact Funding Europe und der Ansatz der Süderelbe AG: „Wirkung zählt – und sie entsteht, wenn Netzwerke konkret werden“, sagt Gemein.

www.impactfundingeurope.eu

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Olaf-Gerd Gemein, Business Architect und Co-Founder. Foto: IFE