„Wir sind für die Betriebe da“
20 Jahre erfolgreiche Tätigkeit der Süderelbe AG sind ein Grund zum Feiern – aber ein vergleichsweise junger Geburtstag. Auf 125 Jahre kann die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade zurückblicken. Ein Interview mit Präsident Detlef Bade und Hauptgeschäftsführer Matthias Steffen.
Im Jubiläumsjahr richten beide den Blick nicht zurück, sondern nach vorn: Was macht die Handwerkskammer heute so wichtig? Warum ist sie auch morgen unverzichtbar? Und was bedeutet eigentlich Selbstverwaltung für das Handwerk?
Herr Bade, Herr Steffen – 125 Jahre Handwerkskammer: Was feiern wir da eigentlich?
Detlef Bade: Wir feiern keine Institution um ihrer selbst willen, sondern das, wofür sie steht: das selbstverwaltete Handwerk, das Miteinander von Ehren- und Hauptamt und die vielen Handwerkerinnen und Handwerker, die sich einbringen, Verantwortung übernehmen und unsere Branche stark machen. 125 Jahre Handwerkskammer heißt: 125 Jahre Einsatz für Qualität in der Ausbildung, Gewerbeförderung und dafür, dass das Handwerk eine Stimme hat.
Matthias Steffen: Unsere Stärke liegt darin, dass wir uns aus dem Handwerk heraus organisieren, und zwar mit klaren gesetzlichen Aufgaben und viel ehrenamtlichem Engagement. Gerade das macht unsere Arbeit so wirksam: Wir wissen, wovon wir sprechen, wenn wir uns für das Handwerk einsetzen. Das war 1900 so, und das gilt auch heute – vielleicht mehr denn je.
Stichwort Selbstverwaltung: Was bedeutet das konkret für die Mitgliedsbetriebe?
Bade: In der Vollversammlung und dem Vorstand der Handwerkskammer sitzen Menschen aus dem Handwerk – Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber, Beschäftigte, Ausbilderinnen und Ausbilder – als gewählte Vertretende für unsere Mitgliedsbetriebe. Sie gestalten von der Berufsausbildung über Prüfungen bis zur Interessenvertretung alles mit. Selbstverwaltung heißt daher vor allem: Diejenigen, die es betrifft, reden mit, statt dass der Staat alles vorgibt.
Steffen: Und das auf Augenhöhe und vor allem auch Arbeitgebende und Arbeitnehmende gemeinsam. Das ist gelebte Demokratie und eine große Stärke des Handwerks, die sonst in kaum einer Branche so ausgeprägt ist. Es ist unser gemeinsames Interesse, dass das Handwerk zukunftsfähig bleibt. Das schaffen wir mit Engagement, mit Praxiswissen und einem klaren Blick für die Herausforderungen vor Ort.
Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für das Handwerk – und wie hilft die Kammer?
Bade: Der Fachkräftebedarf ist wohl das dringendste Problem, das ist ähnlich wie vor 125 Jahren. Gute Ausbildung, gute Arbeitsbedingungen, gute Perspektiven – darum müssen wir uns kümmern. Das geht nicht ohne die Handwerkskammer. Wir organisieren die Ausbildung, wir prüfen, wir entwickeln gemeinsam mit den Betrieben neue Wege.
Steffen: Zudem wächst der Druck durch Bürokratie, Digitalisierung und Nachhaltigkeitsanforderungen. Viele Betriebe wollen da mitgehen, aber sie brauchen Unterstützung. Wir helfen bei Fördermitteln, Digitalisierung, Nachfolge, Umweltauflagen. Gemeinsam mit regionalen Partnern, zum Beispiel in den Regionalen Fachkräftebündnissen oder in Zukunftsregionen wie der Süderelbe, erweitern wir die Unterstützungsangebote gezielt und bringen die Regionen voran.
125 Jahre Geschichte – aber was bedeutet das für die Zukunft?
Bade: Das Handwerk wird sich weiter verändern. Aber es bleibt unverzichtbar, daran wird auch die KI nichts ändern. Die Handwerkskammer ist die Organisation, die diesen Wandel begleitet. Und sie ist ein Ort für Austausch, Vernetzung und Weiterentwicklung.
Steffen: Wir werden noch digitaler, noch flexibler und müssen dabei trotzdem nah am Betrieb bleiben. Persönliche Beratung, praxisnahe Bildungsangebote, politische Präsenz – das bleibt unser Fundament. Wir wollen ein starker Interessenvertreter gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeit bleiben. Dafür brauchen wir die Unterstützung unserer Mitglieder und des Ehrenamtes – und natürlich ihr Vertrauen.
Welche Rolle spielt Bildung für die Kammer?
Bade: Eine zentrale. Ausbildung ist eine unserer Kernaufgaben, und zwar von der Beratung bis zur Prüfung. Wir setzen uns dafür ein, dass junge Menschen ins Handwerk finden und dort Perspektiven haben.
Steffen: Unsere Bildungszentren sind modern aufgestellt. Ob Meisterkurse, überbetriebliche Lehrlingsunterweisung oder Fort- und Weiterbildung: Wir qualifizieren Handwerkerinnen und Handwerker, und das auf höchstem Niveau.
Was wünschen Sie sich für das Handwerk – und die Kammer – in den nächsten Jahren?
Bade: Ich wünsche mir, dass junge Menschen wieder mehr Lust aufs Handwerk bekommen. Dass wir zeigen können: Handwerk ist modern, sinnvoll, zukunftsfähig. Und ich wünsche mir, dass das Ehrenamt weiter so stark bleibt, denn das ist der Motor unserer Selbstverwaltung.
Steffen: Ich wünsche mir mehr gesellschaftliche Anerkennung für das, was das Handwerk leistet. Und dass die Politik begreift: Ohne das Handwerk geht nichts. Unsere Aufgabe als Handwerkskammer ist es, genau das sichtbar zu machen und unsere Mitglieder zu unterstützen. Wir sind da, wenn Betriebe uns brauchen. Und wir bleiben es auch.

Hauptgeschäftsführer Matthias Steffen (links) und Präsident Detlef Bade führen die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Foto: Fotostudio Sascha Gramann

