Runder Geburtstag mit Stadionatmosphäre

„Die Region ist unser Spielfeld“: Unter diesem Motto feierte die Süderelbe AG ihr 20-jähriges Bestehen im Speicher am Kaufhauskanal. Die Matinee mit ihren vielen Fußball-Anspielungen war ein Heimspiel. Zwischen Rückblick und Aufbruch zeigte sich: Die Region agiert weiter offensiv – aber braucht auch noch Kraft für die nächste Halbzeit. VON TOBIAS PUSCH

Der 20. Geburtstag der Süderelbe AG war kein Anlass für große Gesten, sondern für eine selbstbewusste Standortbestimmung. Fast 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung kamen in den Speicher am Kaufhauskanal, nur wenige Schritte vom Sitz der Gesellschaft entfernt. Zwischen Fachwerkbalken und LED-Videowand wurde sichtbar, was die Arbeit der Süderelbe AG seit zwei Jahrzehnten prägt: regionale Verankerung, Offenheit für Neues – und das Bewusstsein, dass Erfolg ein Mannschaftssport ist.

Opern-Töne zum Anpfiff

Den Auftakt übernahmen eine Sängerin und zwei Sänger der Hamburger Fußballoper. Von einer Pianistin begleitet schritten sie – Hand aufs Herz und in Trikots gekleidet – durch das Publikum und sangen „Freude schöner Götterfunken“. Damit schufen sie einen festlichen Rahmen, der den Ton für den Vormittag setzte: feierlich, aber mit einem Augenzwinkern, also nicht zu steif. Anschließend betrat Dr. Annika Schröder die Bühne. Die frühere Mitarbeiterin der Süderelbe AG und heutige Vorsitzende des Netzwerks foodactive e.V. moderierte den Festakt mit Witz und Leichtigkeit. „Das Fußball-Thema wird uns heute übrigens durch die gesamte Veranstaltung begleiten“, ließ sie die Gäste wissen, darunter Hamburgs Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard und Frank Doods, Leiter der niedersächsischen Staatskanzlei.

„Die Welt ist schneller geworden“

Zunächst bat Annika Schröder jedoch Christoph Birkel auf die Bühne, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Süderelbe AG. „Es ist ja schon verblüffend, wie ähnlich die wirtschaftliche Situation heute zu der vor 20 Jahren ist, als die Süderelbe AG gegründet wurde“, beschrieb er die Lage. „Allerdings ist die Welt mittlerweile noch schneller und komplexer geworden, deswegen müssen wir Aufgaben gemeinsam lösen. Dafür ist die Süderelbe AG genau das richtige Vehikel.“

Dann flackerte das Licht auf der LED-Wand auf und es folgte der erste von mehreren kurzen Video-Einspielern. Allesamt wurden sie im Stadion des FC St. Pauli aufgenommen. Den Auftakt machte Josef Schlarmann, erster Aufsichtsratsvorsitzender der Süderelbe AG. „Man war sich damals einig, dass man etwas für die Wirtschaft tun muss. Wir hatten eine Arbeitslosenzahl von fünf Millionen und kein Wachstum mehr.“ Die Lösung sei ein Bündnis auf regionaler Ebene gewesen, „und das sollte über die Süderelbe AG realisiert werden“.

Regionalentwicklung als Teamsport

Zurück auf der Bühne übernahm Dr. Olaf Krüger, Vorstand der Süderelbe AG. Mit sichtbarer Spielfreude knüpfte er an das Fußball-Motto des Tages an. Wirtschafts- und Regionalentwicklung, sagte er, „sind zunächst einmal ein Mannschaftssport“. Die Taktik der Süderelbe AG sei jedenfalls aufgegangen: „61 Projekte, verbunden mit 25,8 Millionen Euro Fördermitteln – und im Verhältnis dazu 11,8 Millionen Euro Aktionärsbeiträge. Der Wetteinsatz hat sich gelohnt.“ Sein Fazit: „Es geht nur gemeinsam.“

Die nächsten beiden Einspieler zeigten Jochen Winand, Krügers Vorgänger als Vorstand, und Heinz Lüers, der von 2014 bis 2017 den Aufsichtsrat führte. Winand betonte, die nach wie vor hohe Relevanz der Süderelbe AG: „Wir haben den Föderalismus in der Bundesrepublik, wir haben die Egoismen überall, deshalb brauchen wir Initiativen, die einen starken privatwirtschaftlichen Input haben. Die Süderelbe AG als grenz- und länderübergreifende Public Private Partnership ist also eine absolute Notwendigkeit – heute und morgen.“

Heinz Lüers blickte auf die damals festgelegte Arbeitsweise der Süderelbe AG zurück, die bis heute tief in deren DNA verwurzelt ist: „Unser Ziel blieb ja die Wirtschaftsförderung, also die Unternehmen zu unterstützen. Dazu galt es neue Projekte, neue Projektideen zu entwickeln, und das vor dem Hintergrund einer komplizierteren Förderkulisse.“

Es folgte der zentrale Teil des Vormittags: das Podiumsgespräch mit Dr. Melanie Leonhard und Frank Doods. Beide betonten, wie wichtig die Kooperation über Ländergrenzen hinweg ist. „Ich glaube man muss immer wieder das Bekenntnis erneuern, dass wir hier eine gemeinsame Region sind“, so Leonhard, denn „wir haben ja immer wieder, wie in Fußballmannschaften auch, diese kleinen Eitelkeits-Auseinandersetzungen. Und so geht es eben nicht, denn wir alle müssen immer mal wieder – wenn man so will in der Kabine – innehalten, damit sich auch wirklich weiterhin alle zu dem Projekt bekennen“, fand die Senatorin durchaus auch mahnende Worte und ergänzte: „Es braucht vor allen Dingen ein Verständnis, dass es kein Verlust ist, wenn zum Beispiel eine Ansiedlung nach Niedersachsen oder in ein Hamburgisches Gewerbegebiet geht, sondern dass es eine Stärkung der Region insgesamt ist.“

„Das ist ein Generationenthema“

Frank Doods betonte, „dass man auch als starke Region nie allein auf der Welt ist. Man muss weiter sichtbar bleiben, man muss nach Berlin, man muss nach Brüssel. Und überall da bleibt das Spiel nicht stehen, denn auch dort haben wir ständig wechselnde Mannschaftsaufstellungen, andere Partner, andere Gegebenheiten.“ Um Erfolg zu haben, müsse man permanent auf Ballhöhe bleiben. „Wenn man in der Zukunft Tore schießen will, dann muss man sehen, dass man die entsprechende Taktik hat. Wichtig ist, dass sich das am Ende für uns alle auszahlt.“ Und die Bedeutung dieses Ein- und Auszahlens müsse man immer wieder neu vermitteln. „Das ist ein Mehrwert, den man schafft. Das ist auch ein Generationenthema. Das ist in einem Arbeitsleben nie fertig zu bringen.“

Viel Lob, aber auch Mahnung

Mit Christian Böllhoff betrat dann der CEO der Prognos AG die Bühne, dessen Zukunftsatlas seit vielen Jahren die wirtschaftlichen Stärken und Schwächen aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte beleuchtet. Zunächst einmal fand er Lob für die Süderelbe-Region: „Sie sind im Landkreis-Vergleich zwar nicht in der Champions League, aber Sie spielen seit 20 Jahren in der Bundesliga und sind in dieser Zeit nicht abgestiegen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Insbesondere lobte er den Landkreis Stade, der in der Region heraussticht (die ausführlichen Prognos-Zahlen finden Sie auf Seite 7).

Doch hatte Böllhoff auch Zahlen im Gepäck, die nicht nur optimistisch stimmen: „Die Gründungsintensität und die Investitionsquote in der Süderelbe-Region sind verbesserungsfähig. Das ist auch keine leichte Aufgabe in der Nähe zu einer Großstadt wie Hamburg, die dann natürlich der Anziehungspunkt ist.“ Sein Rat: Hier müsse angepackt werden. „Wenn Sie in zehn Jahren da noch ein Stück weiter nach vorne gekommen sind, dann erhöht das deutlich die Resilienz.“

„Wir haben die Eier!“

Ein besonderer Akzent kam anschließend von Unternehmerin Ruth Staudenmayer vom Geflügelhof Schönecke, die zugleich Vizepräsidentin der IHK Lüneburg-Wolfsburg ist. „Ich glaube, sportlicher als beim Fußball kann man unser Unternehmen nicht beschreiben, denn wir haben die Eier“, sagte sie gleich zu Beginn und sorgte damit für lautes Lachen im Publikum. Dann sprach Staudenmayer über die praktischen Herausforderungen im betrieblichen Alltag – über Glasfaser, Mobilität und die Dauer von Genehmigungsverfahren. Ihr Appell war klar: „Wir brauchen schnellere Abläufe und weniger Bürokratie.“ Bildung und Unternehmergeist seien ebenfalls wichtig: „Wir müssen jungen Menschen wirtschaftliche Bildung und Verständnis für Unternehmen vermitteln. Ich bin nicht automatisch böse, weil ich Unternehmerin bin.“

Zum Finale übernahm noch einmal die Fußballoper. Bei Fußball-Klassikern wie „We Are the Champions“ und „We Will Rock You“ verwandelte sich der Speicher gefühlt in ein Stadion. Danach begann der gesellige Teil: An langen Tischen wurde gegessen, diskutiert und gelacht. Auf einer Staffelei stand ein großes Mitmach-Bild des Harburger Stadtmalers Ralf Schwinge, an dem viele Gäste ihre Spuren hinterließen. In orangenen Goodie-Bags fanden die Gäste Tipp-Kick-Sets und ein Sticker-Sammelalbum mit Projekten der Süderelbe AG – die „Süderliga“. Nach drei Stunden endete die Matinee. Sie war gleichzeitig ein symbolischer Pass in die Zukunft, mit dem die Süderelbe AG ihre nächste Halbzeit eröffnet.

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